Erwarte so viel, wie du dir vorstellen kannst 

Warum Erwartungen so wichtig sind und wie wir lernen können mit Enttäuschungen umzugehen


Es ist wieder so weit, das Weihnachtsfest steht kurz vor der Tür und mit ihm bei vielen Menschen ein Fest in Familie. Man freut sich auf das Zusammentreffen und wünscht sich vor allem eine schöne, gemeinsame Zeit voller Harmonie und Freude. Doch nicht immer tritt dies auch wirklich ein, Streit und Anspannung trüben oftmals das Fest.  Im Nachhinein sind wir enttäuscht und traurig, da unsere Erwartungen nicht erfüllt worden. 

Wäre es da nicht besser, man schraubt seine eigenen Ansprüche bereits vorher herunter? Ganz nach dem Motto: „Erwarte nichts, dann wirst du auch nicht enttäuscht.“ Nein! Wer so denkt verschenkt wahre Lebensfreude und blockiert sich selbst! Denn unser Gehirn, der Ort von Wohlbefinden, Motivation, Leistungsbereitschaft und Freude, lebt von Erwartungen und produziert diese tagtäglich. Ja, es gibt kein menschliches Gehirn ohne eine Portion an Erwartungen. Neurowissenschaftler sind überzeugt: Erwarte so viel, wie du dir vorstellen kannst, denn nur auf diese Art und Weise des Denkens und Empfindens sprühen die neuronalen Strukturen und Aktivitätsmuster in deinem Kopf vor lauter Lust und Kreativität. Es kommt nicht darauf an, Erwartungen an sich selbst oder an andere aus Angst vor Enttäuschungen bereits im Vorfeld niedrig zu halten. Nein, es kommt einzig und allein darauf an, wie wir mit nicht erfüllten oder erfüllten Erwartungen im Alltag umgehen!


Wie könnte man das umsetzen, gerade in der Weihnachtszeit?

 Nehmen wir an, Sie planen jedes Jahr das große Treffen mit der Familie und freuen sich bereits bei den Vorbereitungen darauf. Sie stellen sich vor, wie alle gemeinsam an der großen Tafel sitzen und harmonisch Zeit miteinander verbringen. Und jedes Jahr werden Ihre Erwartungen nicht erfüllt. Sie sind schrecklich enttäuscht, die Geschwister streiten sich, es ist alles anders. Vor allem Ihre Schwester verbreitet schlechte Laune, versucht sich immer in den Mittelpunkt zu stellen, der ganze Abend entwickelt sich in die falsche Richtung. Am Ende sind Sie froh, dass alles vorbei ist. Sollten Sie in diesem Fall am besten gar keine Erwartungen mehr haben? Oder die Schwester einfach nicht wieder einladen? Wie sieht es dann mit Ihrem schlechten Gewissen aus? Dann doch lieber gleich die gesamte Feier ausfallen lassen?

Nein! Dieses Verhalten entspräche einer klassischen Vermeidungsstrategie. Im Grunde Ihres Herzens und Gehirns wünschen Sie sich das Zusammensein mit Ihren Familienmitgliedern. Das gemeinsame Weihnachtsfest entspricht Ihren ethischen und moralischen Vorstellungen von Zusammenleben. Wenn Sie gemeinsam mit Ihren Familienmitglieder an einem Tisch sitzen, essen, reden, lachen und weinen, dann erfüllen Sie sich Ihr Bedürfnis nach harmonischer Bindung zu anderen Menschen, im besten Fall zur eigenen Verwandtschaft. Dieses Bedürfnis ist neurobiologisch betrachtet tief in unserem Gehirn eingebrannt und entspricht dort einem für uns angenehmen, zufriedenstellenden „Cocktail“ an Botenstoffen (Neurotransmittern) und Bahnungen. Die darauf basierenden Einstellungen und Motive in unserem Kopf führen auch dazu, dsas wir trotz schlechter Erfahrung jedes Jahr wieder die Familienfeier vorbereiten. Wenn Sie dies nicht mehr tun würden, dann vermeiden Sie zwar die möglichen Enttäuschungen während der Feierlichkeit, aber Sie bedienen auch nicht Ihr grundlegendes Bedürfnis nach familiär geprägter Bindung. Im Resultat werden Sie auf Dauer damit nicht glücklich sein.

Das so eben beschriebene Verhalten können wir auch als defensiven Pessimismus bezeichnen. Es handelt sich dabei um eine Strategie zur Angstreduktion im Vorfeld von zu erwartenden Situationen. Bereits während der Vorbereitungen der Familienfeier setzen Sie die Erwartungen herab und „grübeln“ darüber nach, wie die vorherzusehenden Probleme diesmal von Ihnen verhindert oder schlichtweg ausgehalten werden könnten. Dabei vergessen Sie, dass es nicht immerzu Schwierigkeiten gab und Sie bereits Lösungen an der Hand haben. Ihr Gehirn betreibt ein negatives Katastrophendenken und im Laufe der Zeit ärgern Sie sich über sich selbst. Sie fragen sich, warum Sie das Ganze überhaupt machen und überwerfen sich am Ende noch mit Ihrem Partner oder Partnerin, der/die Ihnen schon immer empfohlen hat, einfach nichts zu erwarten oder die Planung der Feierlichkeiten schlicht zu lassen. Das Ergebnis: Sie haben bereits während der Vorbereitungsphase Stress, die Vorfreude will nicht wirklich aufkommen, obwohl Sie das positive Gefühl und die anregende Aufregung während der Planung der Feierlichkeiten so mögen.

 

Erfahren Sie auf der nächsten Seite, wie Sie dieses Katastrophendenken stoppen und mit unerfüllten Erwartungen besser umgehen können.

 

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