1. Formulieren Sie Ihre Erwartungen an Andere, Situationen und Ergebnisse so klar und differenziert wie möglich. Schreiben Sie Ihre Gedanken auf und prüfen Sie, ob diese Ihren ethischen und moralischen Grundsätzen und Wünsche entsprechen. (Ich erwarte von meiner Schwester, dass sie sich benimmt und ihre schlechte Laune für sich behält. Für mich ist es wichtig, dass wir als Familie einmal im Jahr zusammen kommen. Das gehört sich einfach so, vor allem so lange unsere Mutter noch lebt. Das sind wir ihr als Geschwister schuldig. Und je harmonischer das Treffen verläuft, umso angenehmer und gesünder wird für uns die Zeit sein.)
  2. Prüfen Sie nun, ob alle Beteiligten und die vorhandenen Rahmenbedingungen (Ort, Raum Zeit) Ihre Erwartungen erfüllen können und/oder werden. Hier kommen Ihre Erfahrungen ins Spiel. Schreiben Sie darauf basierend Ihre Annahmen und Vorwegnahmen auf und wägen ab, inwieweit diese sich real erfüllen werden und Ihren eigentlichen Erwartungen entgegenstehen. (Ich erwarte von meiner Schwester ein ordentliches Benehmen. Meine Erfahrungen sagen mir aber das Gegenteil.).
  3. Achten Sie jetzt darauf, nicht von den pessimistischen Erwartungen gedanklich und emotional „überrollt“ zu werden. Vermeiden Sie Gespräche mit Menschen, die bei Ihnen diesen Pessimismus noch verstärken. Prüfen Sie, um welche Art von Erwartung es sich handelt. Bezieht sich die Erwartung beispielsweise auf das Verhältnis der eigenen Person zum Verhalten spricht man von Selbstwirksamkeitserwartung. (Meine Schwester wird sich wieder daneben benehmen. Und ich werde wieder nichts unternehmen können. Weil ich wieder einmal vor ihr kusche.).
  4. Davon ausgehend suchen Sie Lösungen, um die negativ wirkenden Erwartungen in den Griff zu bekommen oder zu stoppen und in angenehme, stimulierende Erwartungen zu verwandeln. Im oben genannten Beispiel der Selbstwirksamkeitserwartung geht es um Ihr Selbstbewusstsein. Werden Sie sich Ihren Stärken bewusst, seien Sie stolz das Sie die Familienfeiern immer wieder so gut vorbereiten. Bereiten Sie sich auf ein Gespräch mit ihrer Schwester vor, formulieren Sie ihr gegenüber klar und deutlich Ihre eigentlichen Erwartungen und warum Ihnen diese so wichtig sind. Nehmen Sie dazu Ihre Mitschriften aus Schritt 1. (Meine Schwester wird sich wieder daneben benehmen. Diesmal werde ich etwas unternehmen und ihr das nicht durchgehen lassen. Ich werde mit ihr ruhig sprechen und zur Unterstützung ihren Mann dazu nehmen. Denn schließlich ist mir die Familienfeier sehr wichtig. Das gehört sich einfach so und ich werde sie fragen, wie sie es sieht.).

  5. Wenn trotz aller guten Vorbereitungen Ihre Erwartungen wieder einmal nicht erfüllt werden, halten Sie trotzdem an diesen fest! Nehmen Sie sich diese Freiheit. Achten Sie immer dabei an Ihre Gedankenwege, schützen Sie sich vor dem negativen Katastrophendenken und den Selbstzweifeln. Steuern Sie also gezielt und bewusst Ihr Denken und Ihre Empfindungen! Sagen Sie sich laut „Stopp!“, vergewissern Sie sich noch einmal Ihrer ethischen und moralischen Grundsätze und ziehen Sie Konsequenzen. Manchmal ist es auch notwendig sich von Dingen und Menschen zu trennen und neue Wege zu gehen. Es gibt, um in unserem Beispiel zu bleiben, nicht nur die „leibliche“ Familie, sondern auch sehr schöne Freundschaften und Bekanntschaften!

  6. Sicher, pessimistisches Herangehen kann für spezielle Problemkonstellationen und Ziele hilfreich sein. Vorsicht ist in manchen Fällen besser als Naivität. Wenn aber dieses Verhalten zu häufig angewandt wird, kann es zu einer negativen Veränderung der eigentlichen Persönlichkeit kommen. Man entfernt sich von seinem „Selbst“, tiefe Bedürfnisse und Überzeugungen werden nicht mehr erfüllt, wir werden traurig und depressiv. Versuchen Sie daher immer Ihre Befürchtungen und Ängste mit dem Blick auf vergangene, positive Ereignisse und Erfahrungen abzuschwächen, zu relativieren und zu überwinden.

  7. Verhindern Sie die „selbsterfüllende Prophezeiung“ ebenso wie die „selbstzerstörende Prophezeiung“. Denn immer wenn Sie in Ihrem Kopf eine kommende Situation als für sich real bewerten und durchdenken, sind Sie auch in Ihren Handlungen auf das Ereignis hin real auf dieses fokussiert. Sie nehmen selektiv wahr, Sie denken fokussiert, ja, Sie wollen in Ihrem Tun das zu verhindernde Ereignis nahezu bestätigt wissen. Denn kein Mensch täuscht sich gern. Beispiel: Ihre Schwester kommt zu Ihrer geplanten Familienfeier grundsätzlich zu spät und 

    verbreitet dann noch permanent schlechte Laune. Dieses „Problem“ sprechen Sie mit Ihrem Partner durch. Dieser bestätigt Sie noch im Gespräch, alle Ihre Lösungsvorschläge (Ich spreche mit meiner Schwester vorher ein klares Wort., Ich versuche Sie während der Familienfeier aufzumuntern und lenke Sie von Ihren Problemen ein wenig ab.) werden abgeschmettert mit den Sätzen: Das hast du schon so oft probiert, das wird sowieso nichts. Ich wette sogar mit dir (Achtung! Negative Erwartung bzw. Prophezeiung), dass es genau so passiert wie immer, deine Schwester sprengt die Feier! Mit diesen Gedanken gehen Sie in Ihre weitere Vorbereitung. Sie fangen an, um Ihre Schwester herum zu planen (Vermeidungsstrategie), um einen „Zusammenstoß“ zu verhindern (Es wird eh wieder wie immer.) und am Ende passiert was prophezeit wurde, denn Ihre Schwester merkt, dass sie wie ein rohes Ei behandelt wird. Und was macht Ihr Partner? Er freut sich, dass er im Recht ist. (Siehst du, wie ich es dir gesagt habe.). Und Sie brennen sich das Verhalten Ihre Schwester noch einmal intensiv ein, um beim nächsten Mal besser darauf vorbereitet zu sein. Der Ärger-Kreis beginnt erneut. Unterbrechen Sie diesen wie beschrieben!



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